Dein Körper erinnert sich an alles. Nicht als Vorwurf. Einfach als Tatsache.
Die Linie am Bauch vom Kaiserschnitt. Die Delle an der Schulter vom Fahrradunfall mit zwölf. Die Narbe, die geblieben ist nach der Operation, von der du heute kaum noch weisst, wie lange du damals ausgefallen bist.
Diese Stellen sind da. Sie gehören zu dir. Nicht weil du sie dir ausgesucht hast … sondern weil du ja dabei warst.
Das ist keine sentimentale Feststellung. Das ist Biologie. Und irgendwie auch Biografie.
Es gibt dieses japanische Konzept, Kintsugi … zerbrochene Keramik wird mit Gold repariert. Der Riss wird nicht versteckt, er wird sichtbar gemacht. Nicht dramatisch. Einfach: so ist das Stück jetzt. Das war es, bevor es brach. Und das ist es danach.
Frauen zeigen mir ihre Narben oft mit einer kleinen Entschuldigung im Blick. Als müsste das erklärt werden. Als wäre es etwas, das ich als Fotografin kaschieren soll. Das stimmt nicht. Ich fotografiere dich nicht trotz dieser Stellen. Ich fotografiere dich … und die Stellen gehören dazu.
Manchmal wird geredet. Manchmal gelacht. Manchmal geweint. Schwarzer Humor darf auch … ich kann damit umgehen, versprochen. Nach zwanzig Jahren in der Medizin weiss ich, wie man zuhört, ohne daraus ein Schicksal zu machen. Nichts muss, aber es darf. Es hat Platz.
Und manchmal frage ich bewusst nach. Nicht aus Neugier … sondern weil echte Emotion das Bild trägt.
Viele Frauen kommen zu einem Shooting mit einer inneren Liste. Was soll im Bild sein. Was auf keinen Fall. Und irgendwo auf der „auf keinen Fall“-Liste stehen oft genau diese Stellen … der Bauch, der nach zwei Kindern anders aussieht. Die Brust nach der Rekonstruktion. Der Arm, den man seit Jahren versteckt.
Es geht nicht darum, diese Stellen zu feiern. Es geht um etwas Einfacheres: aufhören, Energie dafür aufzuwenden, Teile von sich aus dem Bild zu halten. Diese Energie kannst du woanders brauchen.
Deshalb heisst diese Serie Lifelines. Lebenslinien.
Manchmal entstehen dabei ganz besondere Bilder … Narben, die bewusst im Licht stehen. Haut, die mit Kintsugi-Gold akzentuiert wird. Nicht als Statement. Einfach weil es schön ist. Weil es passt. Weil sie es so wollte.
Die Frauen, die ich für Lifelines fotografiere, stehen einfach da. In ihrer Haut. Mit allem, was dazugehört. Kein Licht, das kaschiert. Keine Pose, die versteckt. Eine Frau, die sich entschieden hat, sich selbst nicht aus dem Bild zu schneiden.
Das hier ist kein Aufruf. Kein Manifest.
Es ist eine Einladung … für Frauen, die sich selbst und ihre Schönheit gerade nicht sehen. Ich mache sie sichtbar.
Wenn du neugierig bist … ich bin da.
Catharina’s Boudoir — Thun
Lifelines Fotografie ist eine fortlaufende Serie für Frauen. Fotoshooting anfragen jederzeit willkommen.
